Ronald Kaffiné zum Beitrag in der Rhein-Zeitung (1.8.2011): "Wie der Jugendstil ins Kannenbäckerland kam" 

 

Sehr geehrte Redaktion,

mit viel Interesse und Freude habe ich als Hanke-Sammler den gestrigen Bericht "Wie der Jugendstil ins Kannenbäckerland kam" gelesen. Leider ist die Aussage das Reinhold Hanke ein Hersteller mit wenig Glück war, absolut falsch.

Reinhold Hanke war im Jahre 1868 der erste Töpfer am Ort, der Steinzeug im Stil des Historismus herstellte. Er war "Königlicher Hoflieferant" (!) und belieferte nachweislich den Adel in aller Welt, dies ist u.a. durch Schriftverkehr mit z. B. dem Fürsten Ludwig zu Sayn Wittgenstein oder der Kaiserin Augusta (!) belegt.
Abgesehen von den vielen Gold und Silbermedallien die Hanke auf den Weltausstellungen erhielt, waren andere Firmen in Höhr immer noch mit der Herstellung von "normalen" grau-blauen Gebrauchsgeschirr beschäftigt, so auch die Fa. Merkelbach, die erst nach Hankes Erfolgen anfing, Steinzeug im Historischen Stil zu fertigen. Reinhold Hanke wurde im Auftrag der Nassauischen Regierung 1873 als einziger Westerwälder Steinzeughersteller zur Weltausstellung nach Wien geschickt, um sich dort über die Steinzeugformen und Dekorationen zu informieren. Nach Reinhold Hankes Tod führte erst seine Frau Maria Josefa, danach sein Sohn August Hanke die Firma erfolgreich weiter.

In der Nacht vom 1. auf den 2. August 1921 brach in einer benachbarten Firma ein Großfeuer aus, das schnell auf die Fa. Hanke übergriff und diese in Schutt und Asche legte. Alle Formen und Modelle wurden komplett vernichtet, man versuchte später noch mal einen Neuanfang der aber kläglich scheiterte. Somit ging ein Höhrer Traditionsunternehmen unter.
Reinhold Hanke hat viele bekannte Steinzeughersteller und Kaufmänner ausgebildet, so z. B. den Modelleur Peter Dümler, Gründer der Steinzeugfirma Dümler & Breiden, Höhr-Grenzhausen.

Reinhold Hanke, einer der besten Modelleure seiner Zeit, starb leider viel zu früh am 22.06.1886 im Alter von 45 Jahren, seine letzte Arbeit, -er war schon sehr krank-, war übrigens ein Krug mit der Darstellung des Leichenzuges aus der biblischen Geschichte des Jüngling zu Neim.

mfg
Ronald Kaffiné

 

www.dzk-kannenbaeckerland.de

letzte Änderung: 28.11.2011