Westerwälder Zeitung Nr. 47, 20.12.2008

Höhr-Grenzhausen: Alter Kannofen bei Baggerarbeiten in Unterer Töpferstraße entdeckt
Sensationeller Fund in Höhr-Grenzhausen? Das wird sich erweisen, wenn die Experten der Archäologischen Denkmalpflege aus Koblenz mit ihrer Untersuchung fertig sind.

Bei Baggerarbeiten in der Unteren Töpferstraße sind Arbeiter auf eine Wand gestoßen. Der herbeigerufene Gerd Kessler, Mitglied im Förderkreis Keramikmuseum Westerwald und im Vorstand des Dokumentationszentrums Kannenbäckerland, hat sich zum Kenner für historisches Steinzeug fortgebildet. Er identifizierte die Entdeckung als Außenwand eines in den Lehm gebauten Kannofens. „Die Arbeiten wurden kurzzeitig unterbrochen und die Archäologen vom Denkmalschutzamt in Koblenz gerufen." Diese haben den Fund fotografiert, freigelegt und genauestens vermessen, während um diese Insel die Arbeiten für den neuen Parkplatz im Sanierungsgebiet Höhr weitergingen. Zu sehen ist der Querschnitt eines Ofens. Heimatforscher Kessler schätzt, dass er aus dem 16. Jahrhundert stammt. „Zu dieser Zeit gab es noch kein Blau-Grau, es gab nur braune oder helle Ware ohne Kobaltblau." Derzeit wird der Fund von oben herab in Schichten sorgfältig abgetragen, die Scherben kommen in einen Container und werden nach Koblenz gebracht, wo sie weiter untersucht werden. Auch Gerd Kessler lässt derzeit einige Scherben untersuchen. Ihn interessiert, ob es sich um Steinzeug handelt, das noch nicht zur Verschönerung der Oberfläche mit Salz bearbeitet wurde. „Wenn wir es hier mit Frühsteinzeug zu tun hätten, wäre das schon eine kleine Sensation." Bürgermeister Jürgen Johannsen (rechts) dankte Kessler bei einem Vor-Ort-Termin für sein Engagement. Welcher Töpfer damals hier ansässig gewesen sein könnte, ist unklar. „Es sind zwar einige Namen bekannt, auch, dass die meisten im Zentrum des Dorfes Höhr arbeiteten, aber an welcher Stelle die Eulereien standen, weiß man nicht mehr", erläutert Kessler. • Foto: Camilla Härtewig

Anm: S. Fundberichte in DZK- Arbeitshefte 2/1975  -->>>